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</paste=Der Autor>

Der Autor ist ein Auslaufmodell, wenn man der Literaturwissenschaft des ausgehenden letzten Jahrhunderts Glauben schenkt, nachdem Roland Barthes und Michel Foucault bereits den "Tod des Autors" ausriefen. Paradoxerweise laufen die Empfehlungen an aufstrebende Autoren zur Selbstvermarktung in digitalen Netzen eben genau auf die Etablierung einer starken Autorenmarke hinaus. Es sind also zwei gegenläufige Entwicklungen zu beobachten: zum einen wird der Autor als Grundlage eines hierarchischen Geniekults, als Schöpfer von Neuem und nie zuvor Dagewesenem, als Verkünder von Wahrheiten und als Begründer von Diskursen dekonstruiert und als entbehrlich gekennzeichnet, zum anderen fördert die Digitalisierung gerade die "Aura-Bildung" um die Persönlichkeit des Autors, die erst seine Werke interessant und am Markt verwertbar macht. Tatsächlich gibt es heute ein komplexes Nebeneinander verschiedenster Autorenkonzepte, zu denen auch jene postmodernen Schreibverfahren gehören, die individuelle Autorenschaft ablehnen. Dabei geraten deren Verfechter nicht selten in die widersprüchliche Falle, dass sie von ihren Anhängern als Autoren zitiert werden und damit ausgerechnet mit den Attributen der Autorenschaft belegt werden. 

 

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Peter Lunenfeld in "The Secret War Between Downloading and Uploading":

 

"What an author produces is open to revision, and those who used to be readers, listeners, or viewers can become users, through appropriations, remixes, and creative reuse. The idea that everything is essentially an iteration can be terrifying because it encourages an endless tweaking, rather than a commitment to the discrete project with a beginning and an ending. Software developers occasionally refer to this as being in a state of perpetual beta, meaning that the code will never be released in “final” form, and is subject to a continuous process of review and reform. But the new era of unfinish can be used to acknowledge that every cultural product eventually relates to and is transformed by its contact with users and other products."

 

Eduardo Navas schreibt über den "Tod des Autors" bei Roland Barthes und Michel Foucault und dessen Bedeutungszusammenhang für die Remix-Kultur:

 

"Sampling allows for the death of the author and the author function to take effect once we enter late capitalism, because “writing” is no longer seen as something truly original, but as a complex act of resampling and reinterpreting material previously introduced, which is obviously not innovative but expected in new media."

 

Thomas Thiel schreibt in der "FAZ" über Philip Theisohns Buch "Literarische Eigentum":

 

"Der Kern des Problems, das zeigen die Plagiatsverfahren wie im Brennglas, ist die Umwandlung von Texten in Informationen, in kontextfreie, modulartige Bausteine, die den Bezug zu ihrem geistigen Schöpfer nicht mehr erkennen lassen und den Sinn für seine geistige Arbeit erodieren. Die informationelle Lesart bedeutet eine Entsubjektivierung. Der Text verliert seine individuelle Form und löst sich auf in eine konturlose Masse für objektiv gehaltener Bausteine, die nicht mehr gedeutet, sondern nur noch verwendet werden wollen. (...) Auf dem Feld der Literatur zeigt er an einer mustergültigen Nachbearbeitung des Falls Hegemann, welche Folgen der Unterscheidungsverlust zwischen äußerer und literarischer Wirklichkeit auf ästhetischer und materieller Ebene hat. Man sieht eine Autorin, die sich von einer vollkommen vorgestalteten Welt umgeben fühlt und meint, nur noch schöpferisch tätig sein zu können, wenn sie frei von urheberrechtlichen Hindernissen in diesen Fertigbaukasten hineingreifen kann, während sie sich andererseits als bloße Quersumme äußerer Einflüsse ausgibt. Auf der dritten Ebene, der des Romans, werden die jungen Helden schließlich von unverdauten Realitäts- und Theoriebrocken verschluckt, ohne eine geistige Zutat erkennen zu lassen. Es endet in dem Paradox, dass einerseits ein Naturrecht auf Kopie reklamiert wird, während das Recht, aus der geistigen Arbeit bei der Umformung der Natur ein Eigentumsrecht abzuleiten, bestritten wird. Und bei dem Widerspruch, dass eine Autorin ihre Persönlichkeit für den Schreibprozess völlig negiert, während sie auf dem literarischen Markt ein starkes Ego problemlos für sich in Anspruch nimmt, soundverstärkt als Stimme einer Generation."

 

Ben Kaden schreibt auf "Libreas" über Nicholas Rombes Essay "The Rebirth of the Author":

 

"Roland Barthes rief den mort de l’auteur mit literaturwissenschaftlichem Hintergrund in den späten 1960er Jahren aus und wurde reichlich missverstanden. Das Herauspflücken einer schlagkräftigen Formulierung, verwischt manchmal etwas zu sehr den Kern der Sache und alle, die tatsächlich den Tod des Autors vermuteten, hätten durchaus einmal bei der Tatsache stutzen können, dass gerade der, dem diese Feststellung zugeschrieben wird, als Autor zu konkreten Identifikationsindividuum erwächst. (...) Je stärker der Autor als verschwunden und Mythos beschworen wurde, desto präsenter erschien er. (...) Persönliche Websites und Blogs, schreibt Rombes, bringen den Autoren in eine „tyrannical presence“. Das Verwischen von öffentlicher und privater Sphäre hat dazu geführt, dass wir nun alle Autoren sind – „We are all auteurs.“ Wir sind alle Schriftsteller, alle (Youtube-)Filmemacher und in unserer Selbstbezüglichkeit alle Theoretiker dessen, was wir tun. Gerade im Web gilt Anonymität, so Rombes, als ein Zeichen von Schwäche – oder, so kann man ergänzen, eben auch als eines von Stärke, je nachdem, von welcher Popularitätshöhe man sich als Autor zurückzieht. Für einen Sänger namens Prince, der das Spiel mit den Zeichen bis hin zu seinem nicht aussprechbaren „Love Symbol“ 1992, als kurz vor dem WWW, sehr gut beherrschte, führte die Distanzierung von jeglichem Namen gerade nicht konsequent in die Vergessenheit seiner Individualität. Da hätte er besser das Aufgehen der eigenen Person in einer Band mit einem großen Namen versuchen sollen, aber dies war auch gar nicht sein Ziel. Der Tod des Autors erscheint vielmehr in der freundlichen Form als Spiel mit Identität und Identitätszeichen. In der verknöcherten Variante dagegen als posthumaner und daher der menschlichen Wesensart ferner Unsinn. (...)

Denn eigentlich existieren in der digitalen Sphäre ein schönes Nebeneinander von Autorenschaften: Kollaborative Schreibprojekte wie die Wikipedia, die partout jegliche subjektive Färbung auszumerzen versucht, die Subjektivität des Avatars, hinter dem sich einer oder mehrere Akteure verstecken können, der Autor, der deutlich nachvollziehbar und klarnamentlich seine eigenen Texte ins Spiel bringt und über allen, der Metatext der Hypertexte: Die Datenbankstruktur, die XML-strukturierten Schnipsel, die Zugriffsstatistiken, Klickraten, die Protokollierung jeder Aktivität im Netz – ein sich selbst permanent schreibender, bedeutungsfreier Übertext, in Kooperation von Mensch und Maschine verfasst und mehr von der Maschine als vom Menschen lesbar. (...)

Gegen diesen perfekten Text bzw. gegen das allgemeine Bestreben der immer präziseren Erfassung und medialen Remodellierung der Realwelt, also eine technologisch hergestellte „a more perfect, flawless reality“ setzt Rombes den Autor als imperfektes, fehleranfälliges, mehrdeutiges, irrationales und daher menschliches Wesen. In einer offensiveren Schreibart hätte er vielleicht sogar seinen Text daraufhin zuspitzen können, dass es notwendig erscheint, um den menschlichen Autor in seiner Inkommensurabilität zu bewahren, ab und an die perfekten Texte zu unterlaufen, in dem man Texte neben der Digitalität thematisiert."

 

</read further> 

 

Philip Theison: "Literarisches Eigentum, Zur Ethik geistiger Arbeit im digitalen Zeitalter. Essay" 2012 (Verlag, Rezensionen)

 

Odin Kroeger, Günther Friesinger, Paul Lohberger, Eberhard Ortland (Hg.): "Geistiges Eigentum und Originalität. Zur Politik der Wissens- und Kulturproduktion" 2011 (Verlag)

 

Nicholas Rombes: "The Rebirth of the Author" 2005 (Web)

 

Charles Ngiewih Teke: "Dismantling the Cult of the Author: Authorial Ambiguity, Plurality and Intertextuality" (pdf)

 

Peter Lunenfeld: "The Secret War Between Downloading and Uploading" (Google BooksVerlag)

Dirk von Gehlen:

Schreibt über Mashups, lobt die Kopie und arbeitet bei der Süddeutschen Zeitung.

Karl Nikolaus Peifer:

Rechtswissenschaftler an der Universität zu Köln.

Felix Stalder:

Schweizer Internettheoretiker mit Fokus auf Remix-Kultur und Fragen der Originalität.

Mashup Germany:

Ben Stilller a.k.a. Mashup Germany rockt die Clubs Deutschlands mit seinen Mashups.

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</paste=Willkommen in Bushidos Welt>

Die Liste der ungeklärten Samples, die Bushido in seinen Produktionen verwendete, ist lang. Bekannt wurden vor allem die Plagiate auf Bushidos selbstproduziertem Album "Von der Skyline zum Bordstein zurück", auf dem Songs der Band Dark Sanctuary gleich achtmal ungefragt verwendet und von Bushido als seine eigenen Kompositionen ausgewiesen wurden. Weniger bekannt ist, dass auf dem gleichen Album die beiden Hit-Singles "Sonnenbank Flavor" und "Von der Skyline zum Bordstein zurück" auch auf unlizensierten Samples basieren, sich der Urheber jedoch mit Bushidos Plattenfirma nach der Veröffentlichung des Albums auf einen Vergleich einigen konnte. Der Urheber ist in beiden Fällen Mick Moss von der Band Antimatter, der zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung bei seinen Eltern lebte, da er sich die Miete für eine eigene Wohnung nicht leisten konnte. Sein deutsches Label "Prophecy Productions" erfuhr damals von irritierten Fans, dass offensichtlich Bushido die Musik von Antimatter für seine Single-Auskopplung verwendet hatte. Das Label schloß einen Vergleich mit Bushidos Label, Mick Moss wurde zum Mit-Urheber zweier Hit-Singles von Bushido, was zu der paradoxen Situation führte, dass Prophecy Productions seitdem eine goldene Schallplatte an ihrer Wand hängen haben. Mick Moss profitierte über einige Jahre von den Tantiemen an Bushidos Songs, bis der Gerichtsprozess um die Band Dark Sanctuary dazu führte, dass alle Platten eingestampft werden mussten. 

 

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Thomas Gross in der "Zeit" über Bushidos Plagiatsfälle:

 

"Vielversprechender sind selbstauferlegte Regeln, wie sie gerade im Hip-Hop üblich sind. Das Clearing von Samples ist seit den Neunzigern gängige Praxis: Man holt die Genehmigung bei den Komponisten des Originals ein, beteiligt sie je nach Absprache an den Erlösen – und darf im Gegenzug nach freien Stücken collagieren, sampeln, loopen. Es ist eine Kultur des wechselseitigen Respekts, die sich in diesen Selbstverpflichtungen andeutet: Wie du mir, so ich dir, in einer globalisierten Welt sind alle Teil des großen Mix. Hätte Bushido nach diesem Ehrenkodex gehandelt, er wäre ein Rechtsbrecher, aber kein Dieb."

Der Musikpartisane:

Ist wütend und bloggt gegen den Wertverlust von Musik.

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</paste=Was kommt nach diesem Schockmoment?>

(Text folgt)

 

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Kurt Andersen schreibt im "Vanity Fair":


"In our Been There Done That Mashup Age, nothing is obsolete, and nothing is really new; it’s all good. I feel as if the whole culture is stoned, listening to an LP that’s been skipping for decades, playing the same groove over and over. Nobody has the wit or gumption to stand up and lift the stylus. (...) The only thing that has changed fundamentally and dramatically about stylish objects (computerized gadgets aside) during the last 20 years is the same thing that’s changed fundamentally and dramatically about movies and books and music—how they’re produced and distributed, not how they look and feel and sound, not what they are. This democratization of culture and style has two very different but highly complementary results. On the one hand, in a country where an adorably huge majority have always considered themselves “middle class,” practically everyone who can afford it now shops stylishly—at Gap, Target, Ikea, Urban Outfitters, Anthropologie, Barnes & Noble, and Starbucks. Americans: all the same, all kind of cool! And yet, on the other hand, for the first time, anyone anywhere with any arcane cultural taste can now indulge it easily and fully online, clicking themselves deep into whatever curious little niche (punk bossa nova, Nigerian noir cinema, pre-war Hummel figurines) they wish. Americans: quirky, independent individualists!"

 

Ueli Bernays schreibt in der "NZZ":

 

"Die Jugend bewohne heute ein unendliches digitales Jetzt; sie befinde sich im Zustand einer Zeitlosigkeit, die durch immer effizientere Erinnerungs-Prothesen ermöglicht werde. – In der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen aber, die typisch ist für neue Speichermedien und Netze, gehen die Werke und Profile einzelner Künstler unter. Pop ist nun ein Meer anonymer Sounds, die ozeanisch durch die Gegenwart rauschen. Die zeitliche Dimension ist geschwächt. Musiker mögen immer wieder originell sein – doch an ihre Innovationen klammern sich heute kaum mehr poppige Subkulturen. Denn in üppiger Synchronität verlieren sich Sinn und Bedeutung neuer Differenzen. (...) Doch waren es Hip-Hop und Techno – die letzten grossen Innovationsschübe im Pop –, die die Aufarbeitung unterschiedlicher klanglicher Bestände geprägt haben: in Track, Loop, Remix. Über einer Timeline, die aus dem Nichts ins Nirgendwo führt, lassen sich alte und neue Sounds schichten, verketten und verschlaufen. (...) Es scheint, dass die Struktur des Tracks – kein eigentlicher Anfang, kein eigentliches Ende – dem Rausch der Spasskultur genauso entspricht wie der Ernüchterung der sogenannten Posthistoire. Im Zeitalter permanenter IT-Revolution und eines medialen Katastrophen-Karussells fehlt es an utopischem Schwung und am Überbau einer sinnstiftenden Heilslehre. Simon Reynolds hat darauf hingewiesen, dass die Science-Fiction keine optimistischen Szenarien mehr entwickle. Die Vergangenheit frisst nun die Zukunft – im Verhängnis von Kataklysmen."

 

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(Text folgt)

Mouse on Mars:

Jan St. Werner und Andi Thoma brauen geschmackvollen Kaffee und produzieren noch bessere elektronische Musik.

Moritz Eggert:

Komponiert zeitgenössische Musik, brilliert am Klavier und bloggt über Neue Musik.

Mashup Germany:

Ben Stilller a.k.a. Mashup Germany rockt die Clubs Deutschlands mit seinen Mashups.

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</paste=Das Triple-K der Paste-Kultur>

Was ist die Zukunft der Musik? Mashpussy meint, sie liege im Triple-K der Paste-Kultur: Kreativität, Konfigurierbarkeit und Kooperation. Kuratierung wäre sicherlich ein weiteres Buzzword gewesen, was beim Finden von Musik eine immer wichtigere Rolle spielt. Im Kern aber spricht Mashpussy eine technische Fragestellung an, die in der Formatierung von Audiodateien liegen. Das statische Audio-File steht der Remix-Kultur im Wege, denn remixbare Einzelspuren lassen sich auch mit sehr aufwändiger Software nicht aus einem Stereomix qualitativ brauchbar herausfiltern. Mashpussys Argumentation erinnert an das Triple-C von Mark Mulligan, der in seiner Idee von Agile Music die Vision eines sich konstant erneuernden und vom Nutzer konfigurierbaren Musikformats entwirft. 

 

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Chris Dercon in Monopol:


"Man spricht von creative industries, aber das ist nur ein Trick, um das ökonomische Modell der kostenlosen Arbeit salonfähig zu machen. Man will Enthusiasten erzeugen, ihren Input nutzen, ohne Löhne zu zahlen. Die Selbstausbeutung findet nicht statt innerhalb eines Produktionsprozesses, sondern über Kooperation. Das größte Problem ist die Disponibilität der Leute. Man ist disponibel, man stellt sich zur Verfügung. Wer das kontrollieren kann durch ein parteipolitisches Programm oder durch ein ökonomisches Modell, hat die Macht." 

 

Robert Levine in "Free Ride":

 

"You can't have a functioning economy without a market, you can't have a market without some form of property rights, and those rights don't mean anything if they can't be enforced. Do we really want to risk destroying a centuries-old market for cultural products to ensure that the internet can continue to work the way it did in 1995?"

 

Russell Rains erklärt in diesem Video, warum die Zukunft der Musikindustrie gar nicht so schlecht aussieht. 

 

</read further> 

 

Robert Levine: "Free Ride" 2011 (VerlagWebseite)

Mashpussy:

Feministische Mashup-Künstlerin und Bloggerin, die sich für die freie Nutzung von Musik einsetzt.

Mouse on Mars:

Jan St. Werner und Andi Thoma brauen geschmackvollen Kaffee und produzieren noch bessere elektronische Musik.

Dirk von Gehlen:

Schreibt über Mashups, lobt die Kopie und arbeitet bei der Süddeutschen Zeitung.

Moritz Eggert:

Komponiert zeitgenössische Musik, brilliert am Klavier und bloggt über Neue Musik.

Mashup Germany:

Ben Stilller a.k.a. Mashup Germany rockt die Clubs Deutschlands mit seinen Mashups.