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</paste=User Generated Content>

Das Internet hat zu einer Explosion von User Generated Content (UGC) geführt. Nutzer schreiben Blogs, Rezensionen und Wikipedia-Artikel, laden Videos, Fotos und Musik hoch oder arbeiten gemeinsam an Software-Code. Die digitalen Technologien für die Produktion von Medieninhalten sind inzwischen für breite Massen erschwinglich geworden und haben laut Clay Shirky zu einer Massen-Amateurisierung geführt.  Die von Amateuren erzeugten Inhalte entstehen ausserhalb professioneller Arbeitsverhältnisse und etablierter Medienunternehmen und werden folglich auch nicht bezahlt. Die Triebfeder hinter UGC ist der Wunsch, sich mit anderen auszutauschen, das eigene Prestige zu steigern und selber kreativ zu werden. Das hat die Medienwelt grundlegend verändert: anstelle eines auf Knappheit beruhenden analogen Systems, dessen Zugang von wenigen Inhalteproduzenten kontrolliert wurde, zeichnet sich das digitale System durch einen Uberfluss an Inhalten aus, in dem die professionellen Produzenten im gleichen virtuellen Raum wie die Amateure um die Aufmerksamkeit der Nutzer konkurrieren. Die "Share Economy" generiert dabei auch neue kapitalistische Strukturen, denn Plattformen, die vor allem durch UGC getrieben werden wie Facebook, YouTube, Instagram u.a., besitzen heute einen weit höheren Marktwert als herkömmliche Medienkonzerne. Jeder Nutzer auf Facebook beispielsweise generiert für das soziale Netzwerk vierteljährlich einen Betrag von etwas mehr als einen Dollar. Nicholas Carr nannte bereits 2006 diese Form der freiwilligen Arbeit "digital sharecropping". Trotz alledem erzeugen Plattformen und Dienste rund um UGC für die Nutzer erhebliche Mehrwerte, die sich weniger an finanziellen Interessen orientieren sondern soziale und kommunikative Bedürfnisse bedienen.

 

Die Verwässerung der Unterschiede zwischen User Generated Content und professionellen Inhalten hat bei einigen Kritikern kulturpessimistische Reflexe ausgelöst. Am schärsten fiel vielleicht die Kritik von Andrew Keen aus, der in seinem Buch "The Cult Of The Amateur" (auf Deutsch: "Die Stunde der Stümper") das Web 2.0 als eine Form des Marxismus beschrieb, die jeglichen Professionalismus zerstöre und Qualitätsinhalte in einem Meer aus User Generated Content unauffindbar mache. Dabei hat das Internet nur etwas sichtbar gemacht, was es schon lange vorher gab: eine breite Masse kreativer Amateure, die sich ohne kommerzielle Interessen und ohne Anspruch auf professionelle Qualität in irgendeiner Form künstlerisch betätigen. Justin Colletti zeigt am Beispiel der USA, dass dort schätzungsweise jeder 5. Amerikaner als Amateur-Musiker eingestuft werden kann. Die unglaubliche Zahl von 8 Millionen Künstlern und Bands, die sich in der Blütezeit von MySpace auf der Plattform präsentierten, ist ein weiterer Beleg. Durch das Aufkommen des Internet und der sozialen Medien steht dieser Laienkultur nun zum ersten Mal ein Kanal zur Verfügung, die eigene Kreativität potentiell mit jedem Menschen auf der Welt zu teilen. Die unüberschaubare Schwemme an durchschnittlicher Musik stellt jeden vor die Herausforderung,  die relevanten Inhalte zu finden und herauszufiltern. Aber wie schon Iris Dankemeyer und Rebecca Enzinger schrieben: "die bedauerlicherweise wachsende Menge unhörbaren Schrotts hat bisher kein echtes Kunstwerk verhindern können."

 

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Clay Shirky in "Here Comes Everybody":

 

"Our social tools remove older obstacles to public expression, and thus remove the bottlenecks that characterized mass media. The result is the mass amateurization of efforts previously reserved for media professionals." 

 

Charles Leadbeater, Paul Miller in "The Pro-Am Revolution":

 

"The 20th century was shaped by the rise of professionals. But now a new breed of amateurs has emerged . . ."

 

Nicholas Carr 2006 in seinem Blog "Rogh Type":

 

“One of the fundamental economic characteristics of Web 2.0 is the distribution of production into the hands of the many and the concentration of the economic rewards into the hands of the few. It’s a sharecropping system, but the sharecroppers are generally happy because their interest lies in self-expression or socializing, not in making money, and, besides, the economic value of each of their individual contributions is trivial.”

 

Adam Thierer in "The Case for Internet Optimism, Part 1" (pdf):

 

"The “sharecropper” concern raised by Carr and Lanier is also over-stated. This logic ignores the non-monetary benefits that many of us feel we extract from today’s online business models and social production processes. Most of us feel we get a lot back as part of this new value exchange. Carr and Lanier are certainly correct that Google, Facebook, MySpace, and a lot of other Netmiddlemen are getting big and rich based on all the user-generated content flowing across their sites and systems. On the other hand, most cyber-citizens extract enormous benefits from the existence of those (mostly free and constantly improving) platforms and services. It’s a very different sort of value exchange and business model than in the past, but we are adjusting to it."

 

Andrew Keen in "The Cult Of The Amateur":

 

"The traditional meaning of the word "amateur" is very clear. An amateur is a hobbyist, knowledgeable or otherwise, someone who does not make a living from his or her field of interest, a layperson, lacking credentials, a dabbler. George Bernard Shaw once said, "Hell is full of amateur musicians," but that was before Web 2.0. Today, Shaw's hell would have broadband access and would be overrun with bloggers and podcasters."

 

Justin Colletti in seinem Blog "Trust Me I'm A Scientist":

 

"The sheer number of amateur musicians shouldn’t be surprising. Human beings are defined in part by their innate creativity, and our unrelenting needs for expression, shared activity, rhythm and song have been a part of that for about as long as we’ve been a species. The word “amateur” has taken on something of an undesirable connotation in recent decades, and that’s unfortunate. What separates the amateur from the professional is not taste or talent or skill or artistic merit. All that makes a professional – in any field – is sustainable engagement in the commercial marketplace. If you ever want to make an argument about merit, just remember that Yngwie Malmsteem was a professional and Vincent Van Gogh was not."

 

Axel Bruns schreibt unter dem Titel "Vom Prosumenten zum Produtzer":

 

"Dies muß jenen, die in herkömmlichen Modellen als Experten angesehen werden, sicherlich als Bedrohung erscheinen – und es erklärt zum Beispiel den kurzfristigen Popularerfolg scheinbar logischer, sachlich aber weitestgehend unfundierter Angriffe gegen Wikipedia und ähnliche Projekte, wie sie etwa Andrew Keen (2006) in seinem Buch „The Cult of the Amateur“ präsentiert hat. Derlei Kontroversen zeigen zumindest, daß die Beziehungen zwischen konventionellen Experten und den quasi-professionellen Teilnehmern in Produtzungs-Gemeinschaften häufig problematisch sind. Zur gleichen Zeit ergeben sich aus solchen Konflikten auch sehr wichtige Fragen darüber, was angesichts der heutigen partizipativen, konvergenten Kultur mit ihren veränderlichen und instabilen Informationsstrukturen als unumstößlich akzeptiertes Wissen angesehen werden kann, und wie und von wem derlei Wissen – welches unser Weltverständnis reflektiert – strukturiert und präsentiert werden sollte. Dadurch, dass sie ihre eigenen, alternativen Organisationsstrukturen für etabliertes und neugewonnenes Wissen entwickeln, leisten die Produtzungs-Gemeinschaften einen wichtigen Dienst zur Neubewertung solcher Fragen. Am Ende muß eine solche Entwicklung aber auch auf eine breit angelegte Entwicklung einer neuen Palette digitaler Fähigkeiten und Fertigkeiten in der breiteren Bevölkerung bauen, wenn sie nicht nur Aktivität einer neuen Elite bleiben soll – also auf die Entwicklung eines umfassenden Verständnisses der gemeinschaftlichen Produtzungs-Praktiken durch die Gemeinschaften (aktueller und potenzieller) Produtzer selbst." 

 

Iris Dankemeyer und Rebecca Enzinger in "DIY Or Die?" in "Testcard #21: Überleben": 

 

"Die vormalige Trennung von Medienproduzent_innen und -konsument_innen verwischt zunehmend. Bob Ostertag weist auf enormen Anstieg von Musikproduzierenden hin; die Anzahl von Musiker_innen auf MySpace sei von 600000 in 2005 auf 10 Millionen in 2010 gestiegen. Ostertag vergleicht diese Entwicklung mit der Digitalfotografie – wie diese würde Musik zunehmend zu einer Form der Massenkunst. Als solche bleibt sie nicht autonomen Meister_innen vorbehalten, sondern wird eine Art von Unterhaltung und sozialem Ritual.

Im Prinzip ist diese Diskussion so alt wie Radio und Schellack: wird Musik mit dem Prinzip der Gleichheit nicht auch ein Stück gleichgültiger? Bedeutet die allgemeine Verbreitung nicht eher die Neutralisierung dieses kollektiven Schatzes anstatt seiner Universalisierung? Auf Ostertag bezogen: wenn immer mehr Menschen ihre Musik präsentieren, sind dann nicht immer weniger Musiker_innen in der Lage, von ihrer Musik zu leben? Und nimmt die Qualität von Musik nicht ab, wenn ihre Quantität zunimmt? Die Antwort ist in beiden Fällen ein deutliches Jein; Musiker_innen können heute mehr Leute erreichen, dies Möglichkeit teilen sie aber eben mit immer mehr anderen. Und auch die bedauerlicherweise wachsende Menge unhörbaren Schrotts hat bisher kein echtes Kunstwerk verhindern können."

 

</read further> 

 

OECD-Studie: "Participative Web: User-Created Content" (pdf)

 

Clay Shirky: "Here Comes Everybody" 2009 (Verlag, Wiki)

 

Charles Leadbeater, Paul Miller: "The Pro-Am Revolution" 2004 (pdf)

 

Andrew Keen: "Cult of the Amateur" 2007 (Google Books, Wiki) (auf Deutsch: "Die Stunde der Stümper" beim Hanser-Verlag)

 

Adam Thierer und andere: "The next digital Decade" 2010 (pdf)

 

Testcard #21: Überleben, 2012 (Verlag)

Moritz Eggert:

Komponiert zeitgenössische Musik, brilliert am Klavier und bloggt über Neue Musik.

Dirk von Gehlen:

Schreibt über Mashups, lobt die Kopie und arbeitet bei der Süddeutschen Zeitung.

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</paste=Aufmerksamkeitsökonomie>

Nie war es einfacher, Musik zu machen. Digitale Technologien ermöglichen es auch Laien, Musik zu produzieren und über das Internet zu verbreiten. Das Verhältnis von veröffentlichtem "User Generated Content" zu professionell erstellten Inhalten wird immer größer und die Grenzen zwischen beiden Bereichen zerfließen zunehmend. Kein Mensch wird jemals all die Musik, Filme, Bücher und Games konsumieren können, die auf dem Markt um seine Aufmerksamkeit ringen. Dieser Überfluss an Informationen setzt den Nutzer unter Druck, denn es wird immer schwieriger, gut informierte Entscheidungen bei der Auswahl zu treffen. Die Kulturindustrie hat bisher eine Vorauswahl getroffen und damit die Optionen der Nutzer minimiert. Je mehr der Medienkonsum jedoch online stattfindet, umso häufiger werden Inhalte datenbankartig in Form von Streaming-Diensten und Videoplattformen angeboten. Alle Werke konkurrieren hier im gleichen Raum um die Aufmerksamkeit des Publikums. In der virtuellen Welt ist Aufmerksamkeit die einzig harte Währung.

 

Das Konzept der Aufmerksamkeitsökonomie geht auf Herbert A. Simon zurück, der 1971 in einem Vortrag an der Brookings Institution erläuterte, wie ein Überfluss an Informationen gleichzeitig eine Knappheit an Aufmerksamkeit erzeugt. Auf Seiten der Nutzer erzeugt dieser Überfluss Kosten in Form von informationssammelnder und kuratierender Arbeit. Thomas H. Davenport und Michael H. Goldhaber entwickelten später auf Simons Ideen fußend den Begriff der Aufmerksamkeitsökonomie. Die Aufmerksamkeit, die Menschen bestimmten Informationen widmen, wird danach zu einem monetarisierbaren Wert, nicht mehr die Information selber. Kevin Kelly folgerte daraus 1997 in seinem Buch "New Rules for a New Economy", dass der Preis digitaler Güter, die sich frei kopieren lassen, gegen Null tendieren wird und daher der beste Weg, um Aufmerksamkeit zu generieren, darin bestünde, seine Produkte zu verschenken. In Zeiten des Überflusses würde Geld mit anderen Leistugen rund um das Produkt verdient, die nicht kopierbar seien.

 

Später wurde dieses Konzept unter dem Namen "Freemium" zu einem durchaus funktionierenden Geschäftsmodell vor allem im Software-Bereich. Nutzer erhalten freien Zugang zu einer Basisversion der Software, zusätzliche Features und Services müssen hinzugekauft werden. Online-Journalismus entwickelt sich in eine ähnliche Richtung. Und kulturelle Produkte wie Musik oder Bücher buhlen mit Gratisangeboten um die Aufmerksamkeit der Nutzer: kaum ein neues Musikalbum, das nicht als Stream zum Probehören im Netz oder als Gratis-Downloads angeboten wird, kaum ein Buch, das nicht mit einer kostenlosen Leseprobe beworben wird. Als dies führt zu einer Flut von frei verfügbaren Inhalten, und es obliegt den Verbrauchern, aus diesem Überangebot das Interessante und Wesentliche herauszufiltern. Auf Seiten der Nutzer birgt dieser Wettbewerb um die eigene Aufmerksamkeit die Gefahr, der Zerstreuung zu erliegen (so etwa formuliert von Nicholas Carr in "Surfen im Seichten"), auf Seiten der Inhalte-Produzenten besteht die Befürchtung der kulturellen Verflachung. So berechtigt diese Einwände auch sein mögen: für die Gesellschaft ist ein Zustand des Informationsüberflusses sicherlich dem der Informationsknappheit vorzuziehen.

 

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Herber A. Simon 1971 in "Designing Organizations for an Information-Rich World":

 

"(...) in an information-rich world, the wealth of information means a dearth of something else: a scarcity of whatever it is that information consumes. What information consumes is rather obvious: it consumes the attention of its recipients. Hence a wealth of information creates a poverty of attention and a need to allocate that attention efficiently among the overabundance of information sources that might consume it. (...) In an information-rich world, most of the cost of information is the cost incurred by the recipient. It is not enough to know how much it costs to produce and transmit it; we must also know how much it costs, in terms of scarce attention, to receive it.“ 

 

Michael H. Goldhaber 1997 in "Wired":

 

"By definition, economics is the study of how a society uses its scarce resources. And information is not scarce - especially on the Net, where it is not only abundant, but overflowing. We are drowning in information, yet constantly increasing our generation of it. So a key question arises: Is there something else that flows through cyberspace, something that is scarce and desirable? There is. No one would put anything on the Internet without the hope of obtaining some. It's called attention. And the economy of attention - not information - is the natural economy of cyberspace."

 

Georg Franck, zitiert von Bernd Graff in der Süddeutschen Zeitung:

 

"Aufmerksamkeit ist ein Gut, an dem es uns mangelt. Das Gut, an dem es mangelt, ist nicht die Information selber, aber unsere Fähigkeit, mit Information etwas anfangen zu können, sie auszuwählen, sie gewichten zu können. Aufmerksamkeit, sowohl diejenige, die wir aufbringen, als auch diejenige, die uns entgegengebracht wird, hat den Charakter einer neuen Währung angenommen. Die neuen Medien übernehmen die Funktion einer Bank: Sie gewähren uns Kredit."

 

Kevin Kelly 2008 in seinem Blog

 

"There are more good songs than we can ever listen too. There are more good movies than we can ever see in our lifetime, even if it was our full time vocation. There are more useful tools than we have time to master. There are more cool websites than we have attention to spare. Forget about all junk, all the mass produced hits, and all the critically acclaimed creations that mean nothing to you personally. Focus instead on just the things that would rock your boat. There are still too many of them! There are in fact, more great bands, and books, and gizmos aimed right at you, customized to your unique desires, than you can absorb. New things that don't work or serve no purpose are quickly weeded out of the system. But the fact that something does work or is helpful is no longer sufficient for success. Good, useful stuff is now the minimum standard. I might even make the argument that great stuff is the minimum. Now anything that lasts has to also maintain our attention. And when it wins our attention, money will follow. Money is one way we acknowledge our attention. We "want" something -- an intense form of attention -- and we use money to fulfill this attention. Using the product or service is a continuation of that attention. Recommending it others is a further extension of that attention."

 

</read further> 

 

Michael H. Goldhaber: "Die Aufmerksamkeits-Ökonomie und das Netz" 1997 (Link)

 

Georg Franck: "Mentaler Kapitalismus, eine politische Ökonomie des Geistes" 2005 (Verlag, Rezensionen, Vortrag als pdf)

 

Martin Herzberg: "Musik und Aufmerksamkeit im Internet" 2012 (Verlag)

 

Nicholas Carr: "Surfen im Seichten" 2013 (Verlag, Interview)

 

Petra Löffler: "Verteilte Aufmerksamkeit, eine Mediengeschichte der Zerstreuung" 2013 (Verlag)

Mashup Germany:

Ben Stilller a.k.a. Mashup Germany rockt die Clubs Deutschlands mit seinen Mashups.

Dirk von Gehlen:

Schreibt über Mashups, lobt die Kopie und arbeitet bei der Süddeutschen Zeitung.

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</paste=Prosumenten>

Alvin Toffler prägte 1980 in seinem Buch "Die Dritte Welle" den Begriff "Prosument". Das Wort wird unterschiedlich verwendet: als Kofferwort aus "professionell" und "Konsument" bezeichnet es semi-professionelle Benutzer von elektronischen Geräten, die höhere Ansprüche an die Technik stellen als normale Verbraucher. Toffler meinte aber damals etwas anderes: für ihn waren Prosumenten Menschen, die nicht nur passiv konsumieren sondern auch Sach- und Dienstleistungen aktiv produzieren, also ein Zusammenwachsen von Konsumenten und Produzenten. Unter dem Vorzeichen des Web 2.0 erlebt die Rede vom Prosumenten nun seit einigen Jahren eine Renaissance, denn im Internet sind potentiell alle Nutzer auch Sender und können an der Produktion von Kultur, Wissen und Software teilhaben.

 

Bereits 1935 schrieb Walter Benjamin in seinem berühmten Aufsatz "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit", dass das noch neue Massenmedium der Zeitung durch Leserbriefe breiten Massen die Möglichkeit bot, nicht mehr nur passiv Lesende zu sein, sondern auch als Schreibende in den Status der Autorenschaft zu gelangen. Damit nahm er vorweg, was mit dem Internet zur Selbstverständlichkeit geworden ist: die Grenzen zwischen professionell erstellten Inhalten und User Generated Content verschwimmen und heben kreative Prosumenten in den Status eines Urhebers. Dieser Umstand ist Projektionsfläche zugleich für utopische Zukunftsentwürfe wie auch für kulturpessimistische Befürchtungen. So setzt Clay Shirky in "Cognitive Surplus" seine Hoffnung darauf, dass Menschen die bisher mit passivem Fernsehkonsum verbrachte Zeit online für kreative Teilhabe einsetzen werden und damit zu einer weniger hierarchischen Gesellschaft beitragen. Diese Utopie einer egalitären Gesellschaft geht meistens einher mit Hinweisen auf erfolgreiche Beispiele für Peer Production wie Wikipedia, auf die Open-Source-Bewegung für Software und Creative Commons als ein alternatives Lizensierungsmodell für Inhalte im Internet. 

 

Doch die Prosumentenkultur erzeugt auch neue Formen einer subtilen kapitalistischen Ausbeutung, von der vor allem die Unternehmen profitieren, die die Infrastruktur im Netz bereitstellen. In den Nutzerbedingungen vieler Online Service Provider ist verborgen, dass die von Verbrauchern hochgeladenen Inhalte von den Diensten frei weiterverwendet werden dürfen. Der Verkauf der Huffington Post an AOL 2011 für 315 Millionen Dollar verursachte einen Aufschrei unter den unentgeltlich arbeitenden Bloggern, die wesentlich zum Marktwert des Online-Portals beigetragen hatten, aber nicht an dem Verkauf beteiligt wurden. Das auf Online-Plattformen erworbenen Statuskapital der Nutzer ist gleichzeitig auch Kapital, dass den Börsenwert der Plattformen in die Höhe treibt.

 

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Walter Benjamin in "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit":

 

"Jahrhunderte lang lagen im Schrifttum die Dinge so, daß einer geringen Zahl von Schreibenden eine vieltausendfache Zahl von Lesenden gegenüberstand. Darin trat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ein Wandel ein. Mit der wachsenden Ausdehnung der Presse, die immer neue politische, religiöse, wissenschaftliche, berufliche, lokale Organe der Leserschaft zur Verfügung stellte, gerieten immer größere Teile der Leserschaft – zunächst fallweise – unter die Schreibenden. Es begann damit, daß die Tagespresse ihnen ihren »Briefkasten« eröffnete, und es liegt heute so, daß es kaum einen im Arbeitsprozeß stehenden Europäer gibt, der nicht grundsätzlich irgendwo Gelegenheit zur Publikation einer Arbeitserfahrung, einer Beschwerde, einer Reportage oder dergleichen finden könnte. Damit ist die Unterscheidung zwischen Autor und Publikum im Begriff, ihren grundsätzlichen Charakter zu verlieren. Sie wird eine funktionelle, von Fall zu Fall so oder anders verlaufende. Der Lesende ist jederzeit bereit, ein Schreibender zu werden. Als Sachverständiger, der er wohl oder übel in einem äußerst spezialisierten Arbeitsprozeß werden mußte – sei es auch nur als Sachverständiger einer geringen Verrichtung, gewinnt er einen Zugang zur Autorschaft."

 

G. Günter Voss und Kerstin Rieder in "Der arbeitende Kunde":

 

"Es könnte sein, dass sich ein neuer aktiver Grundtypus des Konsumenten herausbildet, der den eher passiv agierenden klassischen Käufer-Kunden ablöst. Dieser neue Konsumententypus wird von uns als Arbeitender Kunde bezeichnet, weil sein zentrales Merkmal eine erweiterte und zunehmend betrieblich explizit gesteuerte und genutzte, auf aktiven Arbeitsleistungen beruhende Produktivität ist. Er ist damit nicht mehr ein nur aus sachlicher Notwendigkeit einbezogener Ko-Produzent, sondern nun ein bewusst eingesetzter ‚unbezahlter Mitarbeiter’."

 

Einleitungstext zum Band "Prosumer Revisited":

 

"Seit das Schlagwort vom »Web 2.0« in aller Munde ist, scheint auch im Verhältnis zwischen Unternehmen und Kunden ein neues Zeitalter angebrochen zu sein. Das »Mitmach-Web« hat eine neue Autonomie des Konsumenten hervorgebracht wie sie vorher nicht bekannt war: Vor allem jüngere Konsumenten zeigen mittels der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien enormes Engagement nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern nehmen auch an Geschäftsprozessen aktiv teil, wollen involviert werden und einen Beitrag leisten, um Einfluss zu üben auf die Erstellung von Produkten und Dienstleistungen. Vor allem im Internet ist ein stark anwachsender Wille zur Mitarbeit und Mitgestaltung zu beobachten, weshalb nicht verwundert, dass seit einigen Jahren eine Debatte rund um den »Prosumenten« – den produzierenden Konsumenten – kreist." (siehe auch die Einführung von Kai-Uwe Hellmann zum gleichnamigen Band)

 

Boris Groys schreibt in der "Zeit":

 

"Jeder macht das, was auch die kreative Klasse macht. (Fast) jeder hat die Möglichkeit und Fähigkeit, einen Blog zu starten, eine Website einzurichten, Fotos oder Videos aufzunehmen und sie global zu verbreiten. Und (fast) jeder kann seine Gefühle und Gedanken mithilfe von Facebook, Twitter oder anderen Sozialen Netzwerken öffentlich zum Ausdruck bringen. Millionen von Menschen tun genau das, und sie tun es umsonst. Deshalb gibt es keinen prinzipiellen Unterschied mehr zwischen den normalen content providers und denen, die als professionelle Kreative gelten. Deswegen werden die Forderungen nach der Abschaffung des Copyrights auch immer lauter. Niemand befürchtet heute, dass mit der Abschaffung des Copyrights der Zufluss von Texten und Bildern versiegt. Die Erfahrung zeigt, dass es immer genug Leute gibt, die bereit sein werden, kostenlos Inhalte zu verbreiten. Die wirklich großen finanziellen Gewinne machen sowieso nur jene Unternehmen, welche die Infrastruktur bereitstellen."

 

Axel Bruns schreibt unter dem Titel "Vom Prosumenten zum Produtzer":

 

"Insgesamt scheint Prosumtion keine Verschiebung des Gleichgewichts zwischen Produzenten und Konsumenten zu beschreiben, sondern eher die Entwicklung fortgeschrittener Konsumexpertise bei den Verbrauchern. Die Gemeinschaft operiert auf der Grundlage von Verdienst, nicht Vergütung: Die Motivation der Nutzer, als Produtzung aktiv zu werden, findet sich eher in der gemeinschaftlichen Anerkennung einzelner Teilnehmer – also in dem Statuskapital, das sie sich durch konstruktive Teilnahme erarbeiten – als in der Möglichkeit, durch Teilnahme an Produtzung Geld zu verdienen. Urheberrechte sind von Eigentumsrechten abgekoppelt." 

 

George Ritzer and Nathan Jurgenson in "Production, Consumption, Prosumption: The nature of capitalism in the age of the digital 'prosumer'":

 

"(...)what we see with digital prosumption online is the emergence of what may be a new form of capitalism. Its uniqueness is made clear in the four major points in this article – capitalists have more difficulty controlling prosumers than producers or consumers and there is a greater likelihood of resistance on the part of prosumers; the exploitation of prosumers is less clear-cut; a distinct economic system may be emerging there where services are free and prosumers are not paid for their work; and there is abundance rather than scarcity, a focus on effectiveness rather than efficiency in prosumer capitalism."

 

Peter Lunenfeld in "The Secret War Between Downloading and Uploading":

 

"Participation is a fine thing, but like most fine things, it can be readily commodified. The label “prosumer” (producer- consumer) has been coined for those users of the Web who contribute to commercial culture via uploading without much in the way of commercial recompense. The issue of who owns the content that users generate is not abstract. Many of the major social networking sites have buried deep within their agreements that the sites and their corporate structures have full control over any material uploaded on to them. They even retain the right to continue hosting a page if the person who created the material on it wishes it to be removed."

 

Brian Holmes schreibt für "eipcp" über "Der flexible Charakter":

 

"Die immaterielle ArbeiterIn, die „ProsumentIn“, oder die NetzwerkerIn als flexiblen Charakter zu beschreiben heißt, eine neue Form der Entfremdung zu beschreiben; Entfremdung nicht nur von den Energien und den Begehren der sechziger Jahre, sondern Entfremdung von der politischen Gesellschaft, die im demokratischen Sinn kein profitables Geschäft ist und nicht endlos in der Produktion von Bildern und Gefühlen recycelt werden kann. Die Entwicklung des flexiblen Charakters geht einher mit einer neuen Form sozialer Kontrolle, in der der Kultur eine wichtige Rolle zukommt. Die Kontrolle verzerrt die künstlerischen Revolten gegen den Autoritarismus und die Eindimensionalisierung: Es entsteht ein Set von Praxen und Techniken zur „Konstitution, Definition, Organisation und Instrumentalisierung“ der revolutionären Energien, die in den westlichen Gesellschaften während der sechziger Jahre auftraten und für eine bestimmte Zeit in der Lage zu sein schienen, soziale Beziehungen zu verändern."

 

</read further> 

 

G. Günter Voss und Kerstin Rieder: "Der arbeitende Kunde" 2005 (Verlagpdf)

 

Birgit Blättel-Mink, Kai-Uwe Hellmann (Hrsg.): "Prosumer Revisited. Zur Aktualität einer Debatte" 2009 (Verlag)

 

Axel Bruns: "Produsage: Towards a Broader Framework for User-Led Content Creation" (pdf)

 

George Ritzer and Nathan Jurgenson: "Production, Consumption, Prosumption: The nature of capitalism in the age of the digital 'prosumer'" 2010 (pdf)

 

Clay Shirky: "Cognitive Surplus" 2010 (Google Books, Wiki, Verlag)

 

Peter Lunenfeld: "The Secret War Between Downloading and Uploading" (Google Books, Verlag)

Karl Nikolaus Peifer:

Rechtswissenschaftler an der Universität zu Köln.

Felix Stalder:

Schweizer Internettheoretiker mit Fokus auf Remix-Kultur und Fragen der Originalität.

Mouse on Mars:

Jan St. Werner und Andi Thoma brauen geschmackvollen Kaffee und produzieren noch bessere elektronische Musik.

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</paste=Bist du Prosument, oder was?>

Der Musikpartisane stellt klar: er mag keine Prosumenten. In einem sarkastischen Blogpost schreibt er: 

 

"Du bist es, der Prosument, der nützliche Idiot. Du kletterst die Partizipationsleiter herauf, um deinen Idolen ein Stückchen näher zu kommen. Auch du willst ein Publikum, einen Teil der Aufmerksamkeit, ein bisschen Anerkennung für dein Handwerk der Reproduktion. Es hilft, den Autor als widerkäuende Zitatmaschine zu denunzieren, das hält den Grützel in dir klein, der du in Wirklichkeit bist. Denn in Wirklichkeit produzierst du Datenmüll für Venture Capital aus Silicon Valley, das seinen Shareholder Value mit jeder deiner transformativen Werknutzungen in die Höhe treibt. Mit jedem Remix-Contest, an dem du teilnimmst, wirst du zu einem Teil der Medienindustrie, die du durch deine freiwillige Mitarbeit in ihrer Banalität nur verstärkst. Und mit jedem Upload von Fan Labor klingeln die Kassen der digitalen Infrastrukturanbieter, die nebenbei das Lied von der Innovationsfeindlichkeit der Urheberrechte singen, denn - schaut doch: es gibt genug Leute, die kostenlos Inhalte ohne monetäre Anreize verbreiten. Das ist sie also, die digitale Emanzipation: Laue Affirmation von Mainstream statt revoltierender Dissonanz. Bist du Prosument, oder was? Geh mal spielen!"

 

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Chris Dercon in "Monopol":


"Man spricht von creative industries, aber das ist nur ein Trick, um das ökonomische Modell der kostenlosen Arbeit salonfähig zu machen. Man will Enthusiasten erzeugen, ihren Input nutzen, ohne Löhne zu zahlen. (...) Die Selbstausbeutung findet nicht statt innerhalb eines Produktionsprozesses, sondern über Kooperation. Das größte Problem ist die Disponibilität der Leute. Man ist disponibel, man stellt sich zur Verfügung. Wer das kontrollieren kann durch ein parteipolitisches Programm oder durch ein ökonomisches Modell, hat die Macht." 

 

Luc Boltanski in der Zeitschrift "Polar" über das "Leben als Projekt":

 

"In einer solchen vernetzten Welt sind die Individuen primär durch ihre Verbindungen zu anderen definiert. Deshalb werden sie permanent von zwei Sorgen umgetrieben, die sie in entgegengesetzte Richtungen treiben: der Sorge, dass es ihnen nicht gelingt, neue Verbindungen zu knüpfen oder zumindest die alten zu erhalten, also marginalisiert und ausgeschlossen zu werden, und der Sorge, sich in der unüberschaubaren Vielzahl von Aktivitäten zu verlieren und damit die Einheit des eigenen Lebens, ja die eigene Existenz zu riskieren. Das angstbesetzte Erfordernis, man selbst zu sein, wird einem heute als moralischer Imperativ von Kindheit an eingebläut - setzt die Individuen in der gegenwärtigen Situation aber starken Spannungen aus. Die Selbstverwirklichung erfordert das Engagement in Aktivitäten und Projekten, deren vorübergehender und uneinheitlicher Charakter das Selbst der Gefahr des Wesensverlusts aussetzt. Zugleich findet das Individuum gerade in seinen Projekten ein Minimum an Identität, das es stets von neuem gegen die Gefahr der Fragmentierung in Stellung bringen kann."

 

Marcel Winatschek schreibt in "Neue Elite":

 

"Es gab eine vermeintliche Emanzipierung: wir haben uns aus den Top-Down Verhältnissen befreit und arbeiten nun in der Netzwerkgesellschaft; hierarchielos und ohne Aufpasser. Dabei hat sich nicht wirklich irgendetwas geändert, denn abhängig sind wir immer noch. Newsflash: die Opfer von heute sind immer noch die Opfer von damals, mit dem Unterschied, dass sie das nicht mehr erkennen können oder wollen. Blogger, die sich mit Schuhen bezahlen lassen. Generation Praktikum a.k.a. „Irgendwann wird sich die Sklaverei schon gelohnt haben“. PR-Agenten, die nach fünf Jahren Berufserfahrung immer noch am Existenzminimum kratzen. Warum lassen die das mit sich machen?"

 

</read further> 

 

Andrew Ross: "No Collar" 2003 (Google Books, Verlag)

Der Musikpartisane:

Ist wütend und bloggt gegen den Wertverlust von Musik.

Mashup Germany:

Ben Stilller a.k.a. Mashup Germany rockt die Clubs Deutschlands mit seinen Mashups.

Diesen Abschnitt...

</paste=Vervielfältigen>

Was ist Vervielfältigung, was ist Kunst? Was ist eine bloße Kopie und was eine kreative transformative Leistung? Um diese Frage zu beantworten, müsste man zuerst auf die Art der Vervielfältigung schauen. In der analogen Welt war die Vervielfältigung von Musik immer mit einem physischen Trägermedium verbunden, etwa einem Tonband, einer Schallplatte oder CD. Mit der digitalen Kopie kommt eine "körperlose" Vervielfältigung ins Spiel, für die andere rechtliche Regeln gelten als für die physische Kopie. Verbraucher erwerben beim digitalen Download nicht das Musikwerk selber, sondern nur eine Erlaubnis zur Nutzung des Werks. Mit der digitalen Kopie wird das Vervielfältigen nun zum Kinderspiel, auch wenn es sich dabei um einen lizenz- und kostenpflichtigen Vorgang handelt. Musikdateien können endlos oft kopiert und konsumiert werden, ohne dass irgendwo ein Mangel eintritt. Man spricht in der Informationswirtschaft von nicht-rivalisierenden Gütern und von Grenzkosten, die für alle weiteren digitale Kopien bei Null liegen. Aus dieser Tatsache speist sich das Argument, dass beim digitalen Kopieren niemanden etwas genommen wird und man infolgedessen auch nicht von Diebstahl oder ähnlichem sprechen könne. Tatsächlich ist aber die Musikdatei nicht mit dem musikalischen Werk gleichzusetzen, für das nach wie vor eine Nutzungslizenz erforderlich ist. Die Kopiermaschine Internet zeigt hier ihre zwei Gesichter: das massenhafte Kopieren von Inhalten fördert deren leichte und weltweite Verbreitung, mit jeder illegalen Kopie verringert sich allerdings auch die Möglichkeit des Produzenten und Urhebers der ersten Kopie, diese zu verwerten und die teilweise erheblichen Erstinvestitionen wieder einzuspielen.

 

Bei der produktiven und kreativen Seite der digitalen Kopie geht es nicht um die Distribution über das Internet, sondern um das Kopieren von Musiktiteln oder Ausschnitten – Samples – für die kreative Weiterverarbeitung. Die Schwierigkeit besteht darin, die Schwelle festzulegen, ab welcher die Art der Weiterverarbeitung eine transformative Leistung darstellt. Ein Musik-Mashup ist ein transformativer Akt, ebenso ein parodistisches Video aus bekannten Filmversatzstücken. Ein YouTube-Video mit einem Standbild und einem daruntergelegten Musikstück eher nicht. Die Prüfung der sogenannten "Schöpfungshöhe" ist immer im Einzelfall notwendig.

 

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Yochai Benkler in "The Wealth of Networks":

 

"Again, there is nothing mysterious about why users participate in peer-to-peer networks. They want music; they can get it from these networks for free; so they participate. The broader point to take from looking at peer-to-peer file-sharing networks, however, is the sheer effectiveness of large-scale collaboration among individuals once they possess, under their individual control, the physical capital necessary to make their cooperation effective. These systems are not “subsidized,” in the sense that they do not pay the full marginal cost of their service. Remember, music, like all information, is a nonrival public good whose marginal cost, once produced, is zero. Moreover, digital files are not “taken” from one place in order to be played in the other. They are replicated wherever they are wanted, and thereby made more ubiquitous, not scarce."

 

Douglas Rushkoff in "Program Or Be Programmed":

 

"Digital technology's architecture of shared resources, as well as the gift economy through which the net was developed, have engendered a bias toward openness. It's as if our digital activity wants to be shared with others. As a culture and economy inexperienced in this sort of collaboration, however, we have great trouble distinguishing between sharing and stealing."

 

Christoph Kappes schreibt im "Spiegel":

 

"Nun ist die Kernfunktion des Internets, Information zwischen Computern zu kopieren. Alle Zeichen stehen dagegen, dass es jemals noch möglich sein wird, dort das Kopieren zu verhindern: Anonymität ist möglich, Datenträger werden günstiger, man tauscht nur Zugangsdaten in die Cloud, Netzwerke werden zu Ad-hoc-Netzwerken, zum Beispiel zwischen Handys. Nur eine panoptische Weltpolizei könnte dies noch unterbinden. Das Mantra dagegen lautet: Nicht alles, was möglich ist, ist auch erlaubt!. Das klingt ethisch und juristisch unangreifbar, zeigt aber in mehrfacher Hinsicht eine naive Weltsicht."

 

Jonathan Segal schreibt auf dem Blog "The Trichordist":

 

"What is happening here seems to be a willful ignorance that the inherent value is still there, not being paid for in the distribution of additional copies. These same individuals would certainly make the claim that they are copying the music in order to listen to it… but are refusing to admit the relevance of the social contract that says that that inherent value is what is used in the exchange rate with monetary currency. I see this as a hypocrisy: either music has no value at all, (in which case why copy it to begin with?), or it has value and the copiers are refusing to admit that it does, simply because it is a copy. (...) Once this behavior becomes normal — i.e. becomes standard practice for the Emily Whites of the world — then the taint of hypocrisy disappears. Once that happens, concern over the value of content evaporates, as then does the value itself."

 

</read further> 

 

Yochai Benkler: "The Wealth of Networks" 2006 (Wiki, pdf)

 

Douglas Rushkoff: "Program Or Be Programmed" 2010 (Google BooksVerlag)

 

Frank Linde, Wolfgang G. Stock: "Informationsmarkt, Informationen im I-Commerce anbieten und nachfragen" 2011 (Verlag, Google Books)

Moritz Eggert:

Komponiert zeitgenössische Musik, brilliert am Klavier und bloggt über Neue Musik.