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</paste=Wir sind Musik!>

File Sharing, Raubkopien, Geistiges Eigentum, ACTA, Piraterie – das sind nur einige der Stichpunkte, die die Urheberrechtsdebatte der letzten Jahre geprägt haben. Dabei ist die Urheberrechtsdebatte nur ein Teil einer viel größeren Diskussion um die Offenheit des Internets und einen tiefgreifenden Medienwandel, der durch die Digitalisierung fast aller kultureller Bereiche ausgelöst wird. Internet-Optimisten und Internet-Pessimisten stehen sich teilweise unversöhnlich gegenüber. Die Optimisten betonen die Offenheit des Internets, zelebrieren die demokratischen Effekte von Kollaboration und Amateur-Kreativität und favorisieren den freien Zugang zu Inhalten. Die Pessimisten setzen auf Bezahlmodelle und professionell erzeugte Inhalte, sehen im Schwarm die Gefahr einer kulturellen Verflachung und im freien Zugang nur ein weiteres Geschäftsmodell für große Internet-Unternehmen, die auf Kosten der Künstler ihre Profite erhöhen. 

 

Die Musikwirtschaft war der erste kulturelle Sektor, der mit voller Wucht die Auswirkungen des Medienwandels zu spüren bekam. Die Geschichte ist tausendfach erzählt: 1999 ging die Tauschbörse Napster online und ermöglichte die freie Distribution von Musik. Die Musikindustrie schickte ihre Anwälte vor und reagierte mit drakonischen Strafen gegen Filesharer. Erst Steve Jobs zwang mit iTunes die Musikindustrie zur Einsicht, dass im Internet auch Geld zu verdienen sei. Diese in grellen Schwarz-Weiß-Tönen skizzierte Geschichte von der Disruption der Musikwirtschaft ist in Wirklichkeit natürlich viel grauer und komplexer, als es die meisten wahrhaben wollen. Vor allem: die Stimmen der betroffenen Künstler sind in dieser Erzählung kaum zu vernehmen. 

 

Als Metallica im Jahr 2000 Napster verklagten und danach von der Öffentlichkeit geteert und gefedert wurden, hatte das auch profunde Auswirkungen auf die Bereitschaft vieler Künstler, sich zum digitalen Wandel kritisch zu äußern. Einige Stars wie David Bowie berauschten sich am transformativen Potential des Internets und sahen ein baldiges Ende des Urheberrechts. Doch während sich die Umsätze der Musikwirtschaft im Laufe des Jahrzehnts immer weiter verringerten, wuchs langsam die Unzufriedenheit bei vielen Musikern und Komponisten, die jenseits des Starsystems der Major Label ihren Lebensunterhalt verdienten. In den USA bekam diese Enttäuschung über die Versprechen der digitalen Revolution 2012 ihren Ausdruck in einem fulminanten Brief des Musikers David Lowery an Emily White, einer jungen Radiomitarbeiterin, die in einem Blogpost freimütig zugab, dass sie für die über 10000 Titel ihrer iTunes-Library nichts bezahlt hatte. David Lowery  schildert in seinem Brief im Detail die desaströsen Auswirkungen ihres – zugegeben sehr normalen und verständlichen – Verhaltens auf die ökonomische Situation von Independent-Musikern.

 

In Deutschland spitzte sich die Urheberrechtsdebatte ebenfalls 2012 zu. Im Sommer zuvor hatte Anonymous bereits die Webseite der deutschen Musikverwertungsgesellschaft GEMA gehackt und damit Partei für YouTube im Streit um Künstlervergütungen ergriffen. Das Motto der Hacktivistengruppe: “We are Anonymous. We are Legion. We do not forgive. We do not forget. Expect us.” Der Zorn der Internet-Aktivisten richtete sich bald gegen das umstrittene Handelsabkommen ACTA. Anonymous streute im Januar 2012 in einem millionenfach geklickten Youtube-Video Fehlinformationen über vermeintliche Auswirkungen des Abkommens. Es folgten landesweite Proteste, die später zur Verhinderung von ACTA führten. Die Umfragewerte der Piratenpartei schossen zeitweise in den zweistelligen Bereich. 

 

Im Frühjahr 2012 reagierten Kreativ-Verbände und Autoren auf die urheberrechtsfeindliche Stimmung mit öffentlichen Aufrufen zum Schutz des geistigen Eigentums. Sven Regener prangerte in einem berühmten Wutausbruch das bigotte Verhalten der Piratenpartei an. Als die Privatadressen von den Unterzeichnern des “Wir sind die Urheber”-Aufrufs im Internet von Anonymous zur “freien Verfügung” veröffentlicht wurden und auch noch einige Netzaktivisten das An-den-Pranger-Stellen herunterspielten, war für viele Kreative der Rubikon überschritten. Etwa zu der Zeit begann der anonyme Blogger “Der Musikpartisane” mit einer Reihe spöttischer aber faktenreicher Blogeinträge, in denen er die Verlogenheit der Netzszene, der Piratenpartei, aber auch von Verwertern wie den Major-Verlagen oder der GEMA aufs Korn zu nahm. Wie Lauffeuer verbreiteten sich seine Artikel in den sozialen Netzwerken und trugen ihm sogar eine Nominierung für die goldene Indieaxt des VUT ein. In Umkehrung des Mottos von Anonymus sagt der Musikpartisane: “Wir sind Musik. Wir sind Legion. Wir sind du. Wir sind nicht anonym. Rechnet mit uns.” 

 

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Lars Ulrich von Metallica im Jahr 2000 über Napster:

 

Es kränkt uns zu wissen, dass unser Gut mehr wie eine Massenware und weniger als die Kunst, die es eigentlich ist, behandelt wird. Vom geschäftlichen Standpunkt aus ist es reine Piraterie, etwas zu nehmen, das einem nicht gehört. Der Austausch solcher Informationen, ob es Musik, Videos oder Fotos sind, ist nichts anderes als der Handel mit gestohlenen Waren.“

 

David Bowie 2002 in einem Interview:

 

''The absolute transformation of everything that we ever thought about music will take place within 10 years, and nothing is going to be able to stop it. I see absolutely no point in pretending that it's not going to happen. I'm fully confident that copyright, for instance, will no longer exist in 10 years, and authorship and intellectual property is in for such a bashing.''

 

Paul D. Miller aka DJ Spooky 2010 in seinem Essay "1000 words about free music":

 

"When you face the idea that digital reproduction equals infinite abundance, the result is basically that you have so many options available, that the normal business model of scarcity simply no longer applies: and so music should be free. It’s that simple. Infinite amount of copies equals zero value. The abundance of music, its low cost, wide spread availability, contributes to the sense that all musics from every part of recorded history are equally available, and can be mixed together into new forms. In the simplest of terms, anything that can be digital, will be. And that scenario, in turn, fosters the end of normal economics in the “culture industry.” Basic vibe: if you’re a musician, you need to update your business model, and think about many, many, many different ways to earn an income."

 

Fred Goodman in "Fortune's Fool":

 

"While the majority of consumers say they are willing to pay for music, the fact is they don't have to, and the industry, steadily contracting for the last five years, now appears to be on the brink of free-fall as the all-important younger music fans rapidly lose the habit of owning recordings; they see music as both ubiquitous, and free."

 

Andrian Kreye schreibt in der "SZ":

 

"Momentan kämpfen die vier digitalen Giganten Apple, Amazon, Facebook und Google um eine Vormacht im Netz. Zwischen den Giganten aber bilden sich totalitäre Strukturen heraus, denen Urheberrechte nur im Weg stehen, und für die die selbsternannten digitalen Rebellen letztlich den Weg bereitet haben. Steve Jobs, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg, Larry Page und Sergej Brin sind keine rebellischen Popstars, sondern knallharte Monopolisten. Sie wurden in der aggressiven Investmentkultur des Silicon Valley groß, nicht in der digitalen Subkultur. Für ihre eigenen Urheberrechte und Patente kämpfen sie mit Heerscharen von Anwälten, und wenn es sein muss: mit einem Rollkommando der Polizei. (...) Es geht bei der Debatte um das Urheberrecht im Internet ja keineswegs um Hochkultur. Die wird subventioniert oder finanziert sich über das authentische Einzelwerk. Es geht vor allem um Popmusik und Film. Das sind Produkte für den freien Markt, nicht für bürokratische Systeme oder Subventionsmodelle."

 

Michel Reimon schreibt in "the gap": 

 

"Der Konflikt entzündet sich an der Widersprüchlichkeit zweier Ziele, die wohl die Meisten unterscheiden können: Maximaler kreativer Output und maximale Verbreitung von Kultur und Wissen. Leider widersprechen sich diese beiden Ziele in einer Welt, in der die Kreativen auch Geld verdienen müssen. Jeder Vorteil auf einer Seite zieht einen Nachteil auf der anderen mit sich, es gibt keine perfekte Lösung. Und es gibt bedeutende Nebenwirkungen: Digitale Kontrollmechanismen eignen sich hervorragend zur Überwachung auch in anderen Bereichen. Da geht es plötzlich nicht »nur« um Kultur und Wissen, sondern auch um demokratische Grundrechte. Dazu kommt noch eine politisch einflussreiche Industrie, die um ihr Überleben kämpft – weil sie ein Produkt anbietet, das vielleicht nur wenige Jahrzehnte der Menschheitsgeschichte »industriefähig« war. (...) Wie die perfekte Lösung aussieht? 1. in der Mitte zwischen den Extremen und daher 2. für niemanden perfekt und 3. ist sie nie von Dauer. Die Organisation der Informationsgesellschaft ist ein Problem, das nie mehr »gelöst« werden wird. Wir brauchen einen langen Atem. Willkommen in der Zukunft."

 

Eamonn Forde schreibt in "QTheMusic":

 

"The flag-wavers for Free have certainly wounded one of their enemies, the major record companies. But have they just exchanged The Man for another, bigger, richer, less scrupulous version? In the digital era Google tracks your every keystroke to target you with ads; broadband and mobile companies lock you into expensive contracts; Facebook chops up your social media life to sell to marketing companies... and none of these million-to-billion dollar businesses will finance anyone's creativity unless it's occurring at a happening tech start-up. (...) The Pirate Party's Loz Kaye, inevitably, sees the end of the record company's grip on popular culture as a good thing. "There is a cultural change going on," he says. "Adele and Lady Gaga are the big figures but for my own personal taste I don't think this is interesting musically. It feels like a dead end. If there is a hole in the mainstream, it is the failure of imagination. It shouldn't be about trying to create one grand flagship product." Which translates as: things I don't like shouldn't be popular. Taken to its logical conclusion this argument casts most people as passive, stupid and happy to lap up the results of this "failure of imagination". If only they could see the challenging artists on the periphery of the mainstream, they would have their Damascene moment."


</read further> 

 

Steve Knopper: "Appetite for Self-Destruction. The Spectacular Crash of the Record Industry in the Digital Age" 2009 (Google Books, Verlag)

 

Greg Kot: Ripped: "How the Wired Generation Revolutionized Music" 2009 (Google Books, Webseite)

 

Patrik Wikström: "The Music Industry" 2009 (Google Books, Verlag)

 

Joseph Menn: "All The Rave. The Rise and Fall of Shawn Fanning's Napster" 2003 (Webseite, Excerpt)

 

Michael Clement, Oliver Schusser, Dominik Papies (Hrsg.): "Ökonomie der Musikindustrie" 2008 (Google Books, Verlag)

 

Fred Goodman: "Fortune's Fool. Edgar Bronfman, Jr., Warner Music, and an Industry in Crisis", 2010 (Google BooksVerlag, Interview)

 

Chris Ruen: "Freelaoding. How Our Insatiable Appetite For Free Content Starves Creativity", 2012 (Verlag, Webseite)

Der Musikpartisane:

Ist wütend und bloggt gegen den Wertverlust von Musik.

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</paste=Mouse on Mars>

Jan St. Werner und Andi Thoma sind Mouse on Mars. Andi kocht Kaffee und Jan hört am Laptop den neuesten Blogpost des Musikpartisanen. Jan schrieb in seinem 2005 bei Suhrkamp gemeinsam mit Klaus Sander veröffentlichten Buch "Vorgemischte Welt": 

 

"Man muss mit dem gefundenen Material so weit gehen, dass es quasi zum eigenen wird, und an den Punkt kommen, an dem es, egal wo man es hergenommen hat, voll auf einen selbst zurückgeführt werden kann, durch die Art, wie man es zusammengesetzt hat, oder durch die Routinen, durch die man es verknotet hat. Es gibt dabei nichts, worauf man sich ausruhen, das man herbeizitieren und auf das man verweisen könnte, damit es einem die Autorschaft ersetzt. Keine Linernotes, keine Stilschulen, keine Theorie. Man muss alles adressieren, das heißt wirklich dafür einstehen. Das halte ich für die einzige Möglichkeit, aus der Beliebigkeit rauszukommen."

 

Jan St. Werner beschreibt in dieser Passage die Widersprüche bei der Arbeit mit vorgefundenem Material – dem, was in der Kunst das Objet Trouvé genannt wird und in der Musik auf den Namen "Sample" hört. Unter dem Eindruck einer zunehmenden Beliebigkeit in der Musik bei der Verwendung von Samples und dem Zurückgreifen auf vorgefertigte Preset-Sounds plädiert Werner dafür, mit Samples kreativer umzugehen, um sie letztlich in die eigene Autorschaft zu überführen. Das Filtern, Strecken, Verstimmen und Zerstückeln von Samples kann so drastisch sein, dass der Ursprung eines Samples nicht mehr zu erkennen ist und die kreative Umgestaltung selbst zu einem kompositorischen Vorgang wird. In bestimmten Genres wie zum Beispiel Hip Hop oder Drum'n'Bass gilt das Aufspüren von obskuren Samples, die von niemanden auf einen Ursprung zurückgeführt werden können, ebenfalls als ein Zeichen besonderer Kreativität. Den Gegenpol dazu bilden Remixes und Mashups, in deren Natur es liegt, dass die Samplequellen erkannt und zugeordnet werden können. Bei Mashups entsteht der Reiz vor allem durch die überraschende Kombination zweier Samples, die oft aus einem vollständigen Song bestehen. Hier liegt die Kreativität eher im konzeptuellen Einfall. All diese Formen des Arbeitens mit gefundenem Material stehen für einen Wandel im Selbstverständnis des Musikproduzenten, der das Studio als Instrument nutzt und in die Rolle des Komponisten schlüpft.

 

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Mark Katz in "Capturing Sound, how Technology has changed Music" (pdf):

 

"Sampling is most fundamentally an art of transformation. A sample changes the moment it is relocated. Any sound, placed into a new musical context, will take on some of the character of its new sonic environment. Every "Funky Drummer" sample, however recognizable, leads a distinct life in its new home. Thus, the sound and sense of a two- second drum break may change radically from song to song, even if the patterns of 1s and 0s do not. The transformative power of recontextualization is particularly clear in the mashup, the whole purpose of which is to generate new moods and meanings through the coupling of disparate songs, all while leaving the source material recognizable."

 

</read further> 

 

Mark Katz: "Capturing Sound, how Technology has changed Music" 2010 (Verlag)

 

Virgil Moorefield: "The Producer as Composer. Shaping the Sounds of Popular Music" 2005 (Verlag, Google Books)

 

Jan St. Werner und Klaus Sander: "Vorgemischte Welt. Wie handeln in der Postmoderne?" 2005 (Verlag)

Mouse on Mars:

Jan St. Werner und Andi Thoma brauen geschmackvollen Kaffee und produzieren noch bessere elektronische Musik.

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</paste=Moritz Eggert trifft Dirk von Gehlen>

Dirk von Gehlen besucht den Komponisten Moritz Eggert in seiner Wohnung im Münchener Scherbenviertel. Dirk von Gehlen ist Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und schrieb 2011 ein Buch über die Mashup-Kultur: “Mashup, Lob der Kopie”. Er ist der Meinung, dass die Digitalisierung das Verhältnis von Künstlern zu ihrem Publikum entscheidend verändert hat. Die legendäre Wutrede von Sven Regener aus dem Frühjahr 2012, die nach den ACTA-Demonstrationen die Urheberrechtsdebatte erst so richtig in Fahrt brachte, steht für diesen Wandel: vielen Musikern, die von der Piraterie ihrer Werke betroffen sind, sprach Regener aus der Seele. Für andere jedoch war sein Rant Ausdruck einer rückwärtsgewandten Haltung eines Rockstars, der auf seine Fans herabblickt. Oder wie es Mashup Germany, einer der erfolgreichsten Mashup-Künstler Deutschlands, ausdrückt: “Unser Punk ist das Kopieren, akzeptiert es, oder nicht. Fuck off: das sind wir, das ist unser Punk!

 

Sven Regener hat inzwischen nach über einem Jahr Schweigen seinen Rant aus dem Jahr 2012 erklärt und eingeordnet (hier ab 45:00 min). 

 

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Dirk von Gehlen über sein Buchprojekt "Eine neue Version ist verfügbar":

 

"Man braucht einen veränderten Blick auf das Werk, auf sich selber als Autor und vor allem auf das Publikum. Wer den Prozess zum Teil eines Buches machen will, darf den Dialog mit dem Publikum nicht scheuen. Er darf den Inhalt nicht einfach nur am Ende auf seine Leser abwerfen wollen, er muss sich beobachten lassen: Er muss damit leben, dass Fehler auffallen und bemerkt werden. Er muss bereit sein, sein Scheitern beim Schreiben abzubilden. (...) Auf dieser Erkenntnis lässt sich ein neues, verändertes Bild von Publikum und Künstler in Zeiten der Digitalisierung aufbauen. Der Prozess der Entstehung kann so einen unkopierbaren Moment schaffen, der vergleichbar ist mit den Momenten, die wir bisher nur NACH der Veröffentlichung kennen. Mit etwas Mut ist das auch VOR der Veröffentlichung möglich."

 

</read further> 

 

Dirk von Gehlen: "Mashup, Lob der Kopie" 2011 (Verlag, Rezensionen)

Moritz Eggert:

Komponiert zeitgenössische Musik, brilliert am Klavier und bloggt über Neue Musik.

Dirk von Gehlen:

Schreibt über Mashups, lobt die Kopie und arbeitet bei der Süddeutschen Zeitung.

Mashup Germany:

Ben Stilller a.k.a. Mashup Germany rockt die Clubs Deutschlands mit seinen Mashups.

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</paste=Wir sind die Zukunft der Musik!>

Illegale Fans” von Deichkind ist so etwas wie eine Hymne an das illegale Kopieren. Diese Version hier ist ein Mashup aus dem A-Capella von Deichkind und dem Instrumental von Kraftklubs “Songs für Liam”. Die Bloggerin Mashpussy nutzt das Mashup für einen Appell an die Künstler. In ironischer Anspielung auf den Appell "Wir sind die Urheber!" schreibt sie:

 

"Mit großer Sorge verfolgen wir Prosumentinnen und Prosumenten das Abebben der Urheberrechtsdebatte. Denn wir sind noch gar nicht beim entscheidenden Punkt der Debatte angelangt: Wir wollen das Urheberrecht nicht abschaffen, aber wir wollen mehr Freiheiten beim kreativen Umgang mit Inhalten. Urheberinnen und Urheber dagegen wollen die Kontrolle über ihre Werke wahren und sympathisieren nicht selten mit Überwachungsmaßnahmen und Abmahnungen. Dabei übersehen sie, dass sie faktisch die Kontrolle über ihre Inhalte schon in dem Moment verloren haben, in dem ihre Werke in die digitale Welt eintreten. Wir kopieren Inhalte und gestalten sie kreativ um, weil wir es können – und niemand wird uns daran hindern."

 

Sie macht sich zum Sprachrohr der Prosumenten, die die Musik der Künstler kreativ weiterverarbeiten wollen. Die Prosumenten stehen für eine neue Art des partizipierenden Publikums, das nicht mehr nur passiv Musik konsumiert. Ein zu eng ausgelegtes Urheberrecht steht dieser Mashup- und Remix-Kultur im Weg. Das Motto von Mashpussy:

 

Wir sind die ProsumentInnen. Wenn wir remixen, schreiben wir die Geschichten von Liedern, Romanen und Filmen weiter. Die Kopie ist unser Herzschlag. Sie ist der Puls des Netzes, wir können gar nicht anders als die ganze Zeit kopieren. Die Kopie ist der Reproduktionsprozess unserer Remix-Kultur, die Zellteilung, auf der jeglicher Informationsfluss beruht.”

 

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Cory Doctorow 2006 im "Locus Online":

 

"Technology giveth and technology taketh away. Seventy years later, Napster showed us that, as William Gibson noted, "We may be at the end of the brief period during which it is possible to charge for recorded music." Surely we're at the end of the period where it's possible to exclude those who don't wish to pay. Every song released can be downloaded gratis from a peer-to-peer network (and will shortly get easier to download, as hard-drive price/performance curves take us to a place where all the music ever recorded will fit on a disposable pocket-drive that you can just walk over to a friend's place and copy)."

 

Charles Leadbeater über "We think":

 

"More people than ever can pariticpate in culture, contributing their ideas, views, information. The web allows them not just to publish but to share and connect, to collaborate and when the conditions are right, to create, together, at scale. That is why the web is a platform for mass creativity and innovation."

 

Rick Prelinger in seinem Manifest "On the Virtues of Preexisting Material":


1 Why add to the population of orphaned works? 
2 Don't presume that new work improves on old 
3 Honor our ancestors by recycling their wisdom 
4 The ideology of originality is arrogant and wasteful 
5 Dregs are the sweetest drink
6 And leftovers were spared for a reason
7 Actors don't get a fair shake the first time around, let's give them another 
8 The pleasure of recognition warms us on cold nights and cools us in hot summers 
9 We approach the future by typically roundabout means 
10 We hope the future is listening, and the past hopes we are too
11 What's gone is irretrievable, but might also predict the future
12 Access to what's already happened is cheaper than access to what's happening now 
13 Archives are justified by use 
14 Make a quilt not an advertisement

 

Anonymus in dem Papier "A Fault-tolerant and Open Platform for Social Music" (pdf):

 

"By the very nature of music it seeks to be free. It is auditory waves of emotional expression. It seeks to be heard and by setting a price, its distribution is inhibited. The result may even be that this action actually causes more losses for the artists in question."

 

</read further> 

 

Charles Leadbeater: "We think" 2008 (pdf, website)

Mashpussy:

Feministische Mashup-Künstlerin und Bloggerin, die sich für die freie Nutzung von Musik einsetzt.

Mashup Germany:

Ben Stilller a.k.a. Mashup Germany rockt die Clubs Deutschlands mit seinen Mashups.